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Binokel - Die Spielregeln I

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Binokel-Karten Die Meldbilder Binokel-Test

Binokel ist ein altes süddeutsches Kartenspiel, das aus dem französischen Bézique entwickelt wurde. Vermutlich ist das Binokel-Spiel aufgrund der früheren engen französisch- württembergischen Beziehungen vor allem in Württemberg das "Nationalspiel" geworden. Der Name jedoch kommt aus dem Italienischen 'bin oculi' = zwei Augen, weil ja alle Karten doppelt vertreten sind.

Allgemeines

Binokel kann man zu zweit (siehe auch hier), zu dritt und zu viert spielen. Die Variante mit 4 Personen finde ich am spannendsten, da dann immer zwei sich gegenübersitzende Spieler ein Team bilden und man so immer einen (meist mehr oder weniger) hilfreichen Partner hat.

In den Varianten zu dritt und zu zweit (logisch) spielt jeder Spieler alleine.

Ganz wichtig, beim Binokel spielt man immer um Augen, nicht um Punkte!

Ziel des Spieles ist es, durch 'Meldung' bestimmter Karten vor dem Spiel und den 'Stichen' im Spiel eine möglichst hohe Augenzahl zu erreichen, mindestens jedoch den Wert, dem man vor dem Spiel angesagt hat.

Ein Spiel endet, wenn ein Teilnehmer im Laufe einiger Spiele mindestens 1000 Augen erreicht hat.



Der Reiz des Spieles besteht darin


Die Ausrüstung

Benötigt wird ein deutsches Kartenspiel mit 48 Karten

Anmerkung: In manchen Regionen wird nur mit 40 Karten gespielt, weil die 8 Siebener vorher entfernt werden, ha so ebbes gladds!


Die vier Farben sind Herz, Kreuz (Eichel), Schellen (Karo, Bolla) und Schippe (grünes Blatt). Pro Farbe gibt es je zweimal diese Kartenwerte:

Aufdruck

Bezeichnung

Wert

   

'Schwäbisch'

A

As

11

Sau

10

Zehn

10

Zeenr

K

König

4

Keenich

O

Dame

3

Daam

U

Bube

2

Biable

7

Sieben

0

Siebnr / Diss


Die Werte der einzelnen Karten sind wichtig beim Zusammenzählen der Stiche.
Nach Adam Riese sind also maximal 250 Augen im Stich zu erreichen, wenn man alle Stiche macht, einschließlich des letzten, der 10 Augen extra zählt.

Zum nachzählen: (8 x 11) + (8 x 10) + (8 x 4) + (8 x 3) + (8 x 2) + 10 für letzten Stich


Vor dem Spiel wird ein Schreiber bestimmt, der die Augen aller Spieler gewissenhaft notiert und ständig den Punktestand überwacht. Es ist wichtig, dass alle Spieler den Schreiber akzeptieren und der Schreiber auch die Grundrechenarten beherrscht.

Die Karten werden gut gemischt, dann darf der links vom Geber sitzende Spieler abheben. Das macht man um sicherzugehen, dass beim Mischen nicht geschummelt wurde. Statt abzuheben, kann der Spieler aber auch auf den Stapel klopfen...

Nun erhält jeder Spieler ..

Die Karten werden gegen den Uhrzeigersinn ausgegeben, beginnend also immer mit dem rechten Nebensitzer des Kartengebers, auf die korrekte Kartenverteilung ist achten - ich kenne es so:

Spiel zu dritt: Jeder Spieler erhält zunächst 5 Karten, dann werden 3 Karten (verdeckt!) in den Talon gelegt, dann erhält wieder jeder Spieler 5 Karten, dann nochmals 5 Karten. Die letzten 5 Karten gehen immer an den Kartengeber.


Spiel zu viert
: Jeder Spieler erhält zunächst 4 Karten, dann werden 4 Karten (verdeckt!) in den Talon gelegt, dann erhält wieder jeder Spieler 4 Karten, dann nochmals drei Karten. Die letzten drei Karten gehen an den Kartengeber.

Variante für I-Dipfelesscheisser: 4 - 2 - 4 - 2 - 3. Wobei die 3 und 4 bedeutet, dass jeder Spieler vier Karten erhält und die 2, dass zwei Karten verdeckt in die Mitte des Tisches gelegt werden für den Talon. Dieser besteht also aus vier Karten und jeder Spieler hält 11 Karten auf der Hand.


Erste Aktion: Überblick verschaffen

Jeder Spieler ordnet nun die Karten auf der Hand und errechnet im Stillen, wieviel Augen er an Melde-Bildern bereits hat.

Vorteilhaft ist das Zusammenstecken nach Spielfarbe und dort wiederum in der absteigenden Reihenfolge As, Zehner, König, Dame, Bube, Siebener.

Meldbilder sind: (Werte bei Trumpf in Klammern)

Paar: König und Dame derselben Farbe: 20 Augen (40)
Familie: As, Zehn, König, Dame, Bube derselben Farbe: 100 Augen (150)
Doppelfamilie: As, Zehn, König, Dame, Bube derselben Farbe: 1000 Augen
Rundlauf (Rundgang): Jeweils den König und die Dame pro Farbe (= je ein Paar jeder Farbe) 240 Augen
Binokel: Schippen-Dame und Schellen-Bube: 40 Augen
Doppel-Binokel: Beide Schippen-Damen und Schellen-Buben: 300 Augen
Je ein As von jeder Farbe: 100 Augen
Je eine Zehn von jeder Farbe: gibt nix
Je ein König von jeder Farbe: 80 Augen
Je eine Dame von jeder Farbe: 60 Augen
Je ein Bube von jeder Farbe: 40 Augen
Je Siebener (Diss) in der Trumpffarbe: 10 Augen
Alle acht Karten eines Kartenwertes: 1000 Augen (außer Zehner)

Wichtig, die Meldbilder dürfen auch durch Anlegen weiterer Karten erreicht werden, wer z.B. das Schippen-Paar meldet und die Schellen-Buben anlegt, meldet dadurch auch einen Binokel. Wenn ein Spieler eine Schippe-Familie auf der Hand hat, dann kann er z.B. die Dame verwenden, um einen Binokel zu bilden, falls er den Schellen Buben hat und /oder er kann z.B. das Schippen-Ass verwenden, falls er noch drei Asse in den anderen Farben hat.

Um es allgemein zu sagen:
Wenn man eine Meldefigur hat, darf man Teile daraus nur verwenden wenn dadurch eine ANDERE Meldefigur entsteht.

Ausnahme: An eine Familie kann man nicht einen einzelnen König der gleichen Farbe anlegen, um ein weiteres Paar zu haben. Hier gehen nur König und Dame gemeinsam als weiteres Paar.


Zweite Aktion: Das Steigern

Der Spieler, der gerade dran ist (das ist derjenige, der links vom Kartengeber sitzt) wendet sich nun an seinen linken Nebenmann und meldet ("schreit") 150 Augen - auch wenn er ganz besonders schlechtes Blatt hat!

Der Nebenmann kann nun eine höhere Zahl (immer mindestens in 10er-Schritten) sagen, bis der erste Spieler aussteigt (also seinerseits keine höhere Zahl sagt) und 'weg' (schwäbisch: wägg) sagt oder aber er selbst 'weg' sagt. Dann kann der nächste Spieler mit einer höheren Zahl einsteigen usw. Da der Kartengeber hinten ist, wird er also immer als letzter gefragt ...

Wenn alle Spieler reihum durch sind, bestimmt derjenige Spieler das aktuelle Spiel, der die höchste Zahl gesagt (gemeldet) hat und nimmt verdeckt die Karten aus dem Talon in der Mitte.

Wie weit man reizen kann, hängt immer von den Karten ab, die man auf der Hand hält:
Hat man z.B. bereits eine Familie auf der Hand und vielleicht noch ein Paar einer anderen Farbe, kann man mit 170 Augen (fest) und ca. 120 Augen (im Stich) rechnen, also bis ca. 290 reizen. Meist spekuliert man dabei noch darauf, dass auch im Talon die eine oder andere brauchbare Karte dabei ist.

Wichtig, die gemeldete Zahl notiert nun der Schreiber, denn mit dem was der Ansager meldet und dem was er anschließend im Stich macht, muss er mindestens genauso viel Augen erreichen, wie er vorher angesagt hat! Ansonsten fährt er in den Keller und es werden ihm die doppelte Menge seiner gemeldeten Augen von seinem aktuellen Spielstand abgezogen.

Ab in Ab
Der Spieler kann sich aber auch entschließen das Spiel "abzusagen", wenn er das Gefühl hat, auf keinen Fall gewinnen zu können. Er sagt dann z.B. "Ab in Herz". Für die anderen Spieler heißt das, Herz wäre Trumpf gewesen und sie melden ihre Augen durch das Ablegen der Meldbilder.

Dazu bekommen sie als Bonus bei 3 Spielern weitere 30 Augen, bei 4 Spielern weitere 40 Augen dazu. Der Spieler, der abgesagt hat, darf keine Augen melden und der Schreiber zieht ihm die Menge seiner gemeldeten Augen von seinem aktuellen Spielstand ab.

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Binokel-Karten Die Meldbilder Binokel-Test




Im Gedenken an meinen Opa Andreas (schwäbisch: Endrees), der dieses Spiel sehr liebte, es hervorragend spielte und gegen den man fast nie eine Chance hatte. Ich hoffe, im Himmel werden die Karten nie kalt und es steht immer ein Viertele "weiß-sauer" bereit.


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