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Schwäbisches Wörterbuch


Umfrage: Was verstehst Du unter "a Gluf"? - ( Umfragen-Archiv )
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Schwäbisch
Deutsch

Hochzeitsnacht

Ein schwäbisches Pärchen freut sich auf die gemeinsame Hochzeitsnacht. Die Braut hat ihr Hochzeitskleid ausgezogen und liegt erwartungsvoll im Doppelbett. Der Bräutigam steht am offenen Schlafzimmerfenster und blickt verträumt in den schwäbischen Sternenhimmel.

Nach einer Weile flüstert sie zärtlich: "Komm, Schätzle, i han a solche Sehnsuchd noch Dir."

Er: "Schbädr Schäddzle, mei Mudder hodd gmoind, dass heid dia schenschde Nachd in meim Leba wird – ond do will i koi Sekund vrsäuma!"

Setz Dich hin!
wörtl.: Setz Dich sofort auf Deine fünf Buchstaben!

Setz Dich sofort da hin!

sitzen

Partizip Perfekt: khoggd - gesessen

Konjunktiv:
I däd hocka
Du dädsch hocka
Er däd hocka
Mir dädad hocka
Ihr dädad hocka
Sia dädad hocka

Futur:
I werd hocka
Du wirsch hocka
Er wird hocka
Mir werdad hocka
Ihr werdad hocka
Sia werdad hocka



Damit ist 'in die Hocke gehen' gemeint, 'Hock De no' meint also 'Geh hier in die Hocke!'

Naja, alles halt zu seiner Zeit
wörtl.: Sitzen und genießen ist besser, als stehen und arbeiten

sitzenbleiben (in der Schule)

Komm, setzen Sie sich doch dazu!

Setzen Sie sich!

Gemütliches Zusammensitzen von Bürgern, Straßenfest, Event

Hockr, hocka und Verhockde

Auf einer Messe erlebte ich vor Jahren, dass ein Schwabe einen nichtschwäbischen Kunden mit den Worten 'Komm, hockad Se sich zu ons na.' zum geselligen Hinsetzen aufforderte. Der verdadderte Kunde schaute sich um und setzte sich dann auf einen Druckerbeistelltisch, weil er verstanden hatte, er solle sich auf einen Hocker platzieren.

Nachdem der Irrtum geklärt war, blieb er dann bei einem Gläsle Wein hocken, bis er beinahe verhockt wäre. Dabei ist der Kunde absolut kein Verhockter, sondern ein weltoffener Touristiker.

Ein Nicht-Schwabe wird die freundliche Aufforderung 'Hock na!' meist als unfreundliche Geste empfinden, aber hocken ist für Schwaben halt etwas Gemütliches, für Nichtschwaben etwas Ungemütliches.

'Kommen Sie, setzen Sie sich bitte zum mir.' ist einfach zu lang, unschwäbisch, daher kürzer und prägnanter: 'Hock na, Kerle!'.

Wenn viele Schwaben zusammen hocken, wobei dabei auch Neigschmeckte zugelassen sind, spricht man von einer Hocketse, also z.B. einem feuchtfröhlichen Zusammentreffen bei einem Fleggafeschd, also einer dörflichen Festivität.

Dort kauert man dann an engen Biertischen wie auf einem Hocker (braucht also Rückgrat, wenn man nicht den Rücken am Rücken des Hintersitzer abstützen kann), fühlt sich nach 2 Stunden total verhockt 'em Greiz' und hat meist auch schon einen hocken, dem Trollinger sei Dank.

Zum Leidwesen der 'Verhockten' zieht heutzutage oft ein Curry- oder Kebabduft quer über die Hocketse, weil man nur mit Roter Wurst und Kartoffelsalat einen weitgereisten Schwaben nicht mehr glücklich machen kann.

Die Verhockten bruddeln dann in ihr Bier, dass 'älles nemme dees isch und sich heidzudaag ällas auf dr Hocketse nohocka derf.'

Aber wenn dann auch die Verhockten auf der Hocketse einen hocken haben, dann treibt die einigende Kraft des Trollingers zu wunderlichen Freundschaften und mancher Schwabe lässt sich (zu hinterher bereuten) Einladungen hinreisen wie 'Hockad Se na, derf e Sia uff a Gläsle Rodwei eilada?'.


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