8:44 Uhr - Ois vor Dreiviertel Neine 

Schwäbische Unlogik VI


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Einige Fremdworte werden völlig unlogisch betont: Tunell (Tunnel), oder Karrasch (Garage) auf letzten Silbe, Birro (das Büro) oder Depoo (das Depot) auf der ersten Silbe.


Schmankerl: Das Lied vom Tunéll zwischen Stuttgart und Ulm würde sich nicht reimen, wenn der Schwabe Túnnel sagen würde:

Zwischa Schduagard ond Cannschdatt,
do isch a Tunéll,

wemma neifährt, wird's dongl,

wemma nausfährt, wird's hell.

Sogar das Geschlecht wird gelegentlich ausgetauscht:


Schwäbisch

Deutsch

Birschle, das

Bursche, der

Brommhommeler, der

Hummel, die

Buddr, der

Butter, die

Cola, das

Cola, die

Dällr, das

Teller, der

Doil, das

Teil, der

Efai, das

Efeu, der

Egg, das

Ecke, die

Endifie, der

Endivie, die

Fanta, das

Fanta, die

Färsa, der

Ferse, die

Gommi, der

Gummi, das

Grässich, der

Kresse, die

Heischregg, der

Heuschrecke, die

Karra, der

Karre, die

Liddr, der

Liter, das

Pederleng, der

Petersilie, die

Puld, der

Pult, das

Räba, der

Rebe, die

Raddz, der

Ratte, die

Radio, der

Radio, das

Riddz, der

Ritze, die

Schnägg, der

Schnecke, die

Schnog, der

Stechmücke, die

Schogglad, der

Schokolade, die

Schorrle, das

Schorle, die

Schurz, der

Schürze, die

Sofa, der

Sofa, das

Thermomedr, der

Thermometer, das

Virus, der

Virus, das

Wada, der

Wade, die

Waischorrle, das

Weinschorle, die

Zagga, der

Zacke, die

Zegg, der

Zecke, die

Zwiebl, der

Zwiebel, die

  
Wenn der Schwabe der Butter sagt anstatt die Butter, dann gilt das vielen als der Beweis dafür, dass Schwäbisch ein falsches oder schlechtes Deutsch sei. Aber wir sind in guter Gesellschaft. Denn auch den Franzosen (le beurre) und Italienern (il burro) kommt der Butter männlich vor.


A propos Geschlecht, in manchen Gegenden beherrscht man heute noch die Kunst das Zahlwort (zum Beispiel zwei) dem Geschlecht anzupassen, also zwee Männr, zwua Fraua und zwoi Kender.

Für manche Nicht-Schwaben fast unhörbar, für den Schwaben aber ganz wichtig, ist auch die Unterscheidung zwischen Singular und Plural. A Mädle sitzt auf amma Bänkle, aber  mehrere Mädla auf viele Bänkla.


Ohne Probleme bildet der Schwabe sogenannte geschlechtsneutrale Substantive, indem er einfach die Verkleinerungsform bildet: -le ersetzt dabei das hochdeutsche -chen und -lein: Männle, Äggerle, Briggle, Bildle, Schdiggle, Städtle, Räumle.


Das Wort 'Wir' kennt man hier nicht, 'Mir' heißt das. 'Ein Bier wie mir', wirbt eine Stuttgarter Brauerei. Lothar Späth galt immer als 'Kerle wie mir'.

'Mir gangad jeddz', heißt es korrekt und, Sie kennen alle den schwäbischen Schreckensruf, mit dem ein Schwabe die Tür vor jedem Hausierer zuschlägt, 'Mir gebad nix!'

Aus 'Mir' wird mitunter auch ein 'Mr' (mit rollenden R), das schwäbische Ehefrauen bevorzugt dann einsetzen, wenn Befehle an den Ehemann einen etwas konzilianteren Unterton erhalten sollen.

'Mr sodd Schbrudl hola' oder 'Mr sodd amol wieder d´Eldern eilada' sind typische Beispiele dafür .


Last, but least: Das Wörtchen 'zu' wird häufig mit gewagten Konstruktionen umgangen  wie: 'No fing'r a zomm heila' (er begann zu weinen) oder 'sie isch zomm d'Milch hola komma' (sie kam, um die Milch zu holen).

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