6:30 Uhr - Halber Siebene 

Schwäbische Anekdoten

 

Ich liebe und verehre eine ganze Reihe von schwäbischen Anekdoten, weil sie so treffend bestimmte Sachverhalte auf den Punkt bringen. Außerdem lockern sie so manches Gespräch bestens auf ..
Schwaben-Witze


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Schwäbisch

Deutsch

    

Auswanderung

Der erste der vier württembergischen Könige war ein harter Herr, der es seinem Volk nicht leicht machte. Das Auswandern, vor allem nach Russland, nahm große Ausmaße an, die sogar dem König auffielen. Da ließ er den Gründer der Korntaler Brüdergemeinde kommen und fragte ihn, was er tun müsse, damit nicht die besten Landeskinder auswandern. "Do misst Majeschdäd selbschd auswandara!", erwiderte dieser trocken.

    

Beiträge

Durch Zufall trifft sich auf dem Münchner Oktoberfest eine Gruppe von Menschen aus allen Regionen Deutschlands, die über mehrere Tage zusammen in bester Laune feiern. Das Treffen soll im nächsten Jahr wiederholt werden. Der Bayer verspricht zu diesem Treffen ein Fass des besten Weißbiers zu spendieren, der Westfale will den besten westfälischen Schinken mitbringen, der Rheinländer erlesenen Rhein-Wein, der Norddeutsche Lübecker Marzipan, auch alle anderen versprechen eine Spezialität aus ihrer jeweiligen Region beizusteuern. Nur der Schwabe lächelt und bleibt stumm. Auf die Frage der anderen, was er zu dem Treffen mitbringt antwortet er trocken: "Ha, mai ganze Familie!".

 

Beweisstück

Zwei Marktfrauen bekommen Streit, da greift die eine in ihrer Wut zu einem herumliegenden 'Roßbolla' (Pferdeapfel) und wirft diesen der anderen geradewegs in den Mund. Diese stutzt einen Moment und nuschelt dann "Der bleibd jeddz fei dren, bis d'Bolezei kommd."

 

Bibelfest

Ein Nonnenkloster wird neu verputzt. Auf dem Baugerüst arbeiten alle Gipser und Maler sehr fleißig und die Äbtissin bittet daher eine Novizin, den Handwerkern ein gutes Vesper zu bringen. Vorher solle sie aber die Handwerker auf ihren Glauben prüfen. Wenig später steht die junge Nonne nun unten am Gerüst und ruft einem Gipser zu: "Griass Godd, kennad Sia dr Pontius Pilatus?" - Brummt es von oben herunter: "Noi, abbr i frog mol mein Kolleg, der weidr oba schaffd. He, Karle, kennsch Du en Pontius Pilatus?" - "Noi, worom?" - "Ha do onda schdohd sei Alde ond will ems Middagessa brenga!"

 

Dreifarbenhaus

Kurz nach dem 2. Weltkrieg beschwert sich die Chefin des Stuttgarter Dreifarbenhauses (Hinweis für Neigschmeckte: das ist das offizielle Bordell in der Stadtmitte hinter dem Rathaus) beim französischen Stadtkommandanten über das anstrengende und sinnenfreudige Treiben seiner Soldaten: "Sia, so gohd des fei nedd, meine Mädla senn a ruhigs Schaffa gwehnd!".

    

Ebenbild

Am achten Tag verteilte Gott die Dialekte. Als er mit allen Volksstämmen durch war, beschwerte sich der Schwabe, er hätte keinen abbekommen. Da meinte Gott: "Ha, no schwäddz hald oifach wia I!"

    

Erkenntnis

Frühere Zeiten. Zwei Brückenwächter spielen Karten in ihrer kleinen Wachstube. Plötzlich hören sie lauten Tumult vor dem Fenster, weswegen einer aufsteht und sich aus dem Fenster beugt. Blitzschnell bekommt er eine kräftige Ohrfeige verpasst und zieht sich daher wieder ins Innere zurück. Nun will auch der andere Wächter sehen, was los ist, steckt ebenfalls den Kopf nach draußen, .. und bekommt ebenfalls eine schallende Ohrfeige.
Schweigend spielen sie einige Zeit weiter, dann sagt der eine "Ha, jeddz sag amol, was hosch'n Du eigendlich do draußa gsäha?" - Der andere denkt lange nach und meint dann "I glaub's gleiche weddr denn dass Du."

    

Ewiger Klee

Nach einigen schlechten Weinjahren schlägt der Sohn dem Vater vor, alle Rebstöcke herauszuhauen und dafür ewigen Klee zu sähen. Widerwillig stimmt der Vater zu. - Als nun die Weinbergterrassen voll ewigen Klee stehen, kommt ein Weinjahr ohnegleichen. Jammert der Alte "So, jeddz könnad'r Eirn ewiga Klee saufa !"

 

Französisch

Ein Soldat der französischen Besatzungstruppen fällt in den Neckar. Er kann nicht schwimmen und ruft lauthals um Hilfe: "Au secour, au secour!" - Auf der Brücke steht ein Gog und ruft hinunter: "Ooh Mohle, Du häddsch au bessr schwemma glernd anschdadd franzeesisch!"

 

Innere Einkehr

Es treffen sich zwei Schwaben. Meint der eine: "I gang grad en mei Schdiggle." - Sagt der andere: "Oh je, I benn uff'am Weg noch enna." - Der erste schaut ihn lange an und meint dann: "Also des wär mir z'weid!"

    

Kartoffeln

Als die Kartoffeln in einem Jahr besonders groß und schön geraten sind, meinte ein Pfarrer zu einem stadtbekannten Nörgler, nun müsse doch auch er mit dem Herrgott zufrieden sein. "Ja, scho, Herr Pfarrer, abbr dia kloine Grombira fir d'Säu fehlad äba."

    

Kolumbus

Als Kolumbus in Amerika landete, war unter seiner Mannschaft ein Schwabe. Zu dem freudigen Ereignis bekommen alle Landurlaub, aber der Schwabe kommt als einziger zu spät aufs Schiff zurück. Kolumbus staucht ihn tüchtig zusammen und fragt, warum er so spät komme. Da meint der wackere Matrose "Entschuldigad Se vielmols, Herr Kolumbus, abbr i hann do an Landsmann aus Sendelfinga droffa."

    

Konjunktiv

Ein schwermütiger Tübinger Weingärtner arbeitet stundenweise im Garten eines Professors. Eines Morgens klingelt sein kleiner Sohn bei der Frau des Professors und erklärt das künftige Fernbleiben seines Vaters mit den Worten: "Guada Morga Frau Brofässr, dr Vaddr häb heid nedd komma kenna, er häb sich heid Nachd uffkhengd!"

 

Konsequenzen

"Du Schäddzle, I hann em Loddo gwonna! Pagg glei Dein Koffr!" - "Ja subbr, fahrad mr en Urlaub!?" - "Ha noi, abbr Du ziahsch jeddz uff dr Schdell aus!"

 

Kontrolle

Ein paar Tübinger Weinbauern (Goga) saßen in ihrem Wirtschäftle und diskutierten. Plötzlich begann es, furchtbar zu stinken. Fragt der Karl den Heiner: "Du Heiner, hosch du in d'Hos gschissa?" - "Iiii - ha gwieß nedd!" - Auch sonst will es keiner gewesen sein. Und so einigen sich die Stammtischbrüder auf den Augenschein: Immer zwei zusammen gehen zur Toilette, um in der Hose nachzusehen, wer der Täter ist. Als der Karl und der Heiner dran sind, sagt Heiner: "Karle, abbr sell isch glar, s'Aldbachene gild fai nedd!"

    

Kröten

Zwei Schwaben sehen eine eklige Kröte. Der eine macht dem anderen ein Angebot: "I gäb dir zeah Eiro, wenn du sell Grodd frißsch." Der andere würgt sie mit quellenden Augen hinunter und nimmt das Geld. Als ihnen eine zweite Kröte über den Weg läuft, macht er dem anderen das Angebot: "I gäb dir deine zeah Eiro widdr, wenn du au a Grodd frißsch." - Interessiert an der Rückgabe des Scheins erfüllt der die Forderung und bekommt seine zehn Euro wieder. Nach einer Weile schauen sich beide an: "Zu was hennd mir Seggl jeddz eigendlich boide a Grodd gfrässa?"

    

Mundfaul

Vater und Sohn fahren von Münsingen (also von der tiefsten Alb) nach Stuttgart, damit 'das Büble' auch einmal die Residenz sieht. Geredet wird nichts, aber einmal zeigt der Junge doch zum Fenster hinaus und meint 'Gugg Vaddr, do schdood dr Habr abbr schee.' Der Alte nickt zustimmend. - Nachdem man den ganzen Tag in Stuttgart herumgelaufen ist, fährt man am Abend wieder hinauf auf die Alb. Man redet immer noch nichts, der Vater zieht schweigend an der Pfeife. Als sie dann an der Stelle vorbeikommen, wo der Hafer so schön stand, nimmt er die Pfeife aus dem Mund, deutet mit dem Pfeifenstiel aus dem Fenster und sagt: 'Dr Woiza au.'

Version 2.0: Zwei schwäbische Manager fliegen in die USA. Nach dem Abflug in Echterdingen deutet der eine in seine Zeitung und brummelt: "Dr'Daimler isch zwoi Punkt hoch." - Als sie viele Stunden später in New York landen, grummelt der andere: "Dr' Bosch au!"

    

Nudelsuppe

An einem recht stürmischen Tag wollte eine Bauersfrau ihren Mann, der bei dem 'Sauweddr' auf dem Feld arbeiten musste, mit einer Nudelsuppe überraschen. Gesagt, getan und sie bringt die Suppe, mit einem Tuch heiß gehalten, zu ihrem Mann. Dieser setze sich auf einen Stein und begann hungrig die Suppe zu löffeln.
Der starke Wind blies aber die Nudeln immer wieder vom Löffel in seinen Bart hinein. Da wurde der Bauer narrad (=zornig) und bruddelte seine Frau an "Du Rindviech, woisch Du denn nedd, dass i koi Nudelsubb mog, wenn an Wind gohd?"

    

Testament

Mitten in der Nacht wird ein Arzt zu einer Patientin gerufen, einer recht vermögenden Witwe, die viel Zeit hat, sich ihre Krankheiten einbildet und den Arzt wegen jeder Unpässlichkeit kommen lässt. Der Arzt untersucht sie und sagt schließlich: "Hend se ihr Deschdamend scho g'machd?" - "Ja, omm Himmls Willa, Herr Doggdr, isch's denn scho so läddz?" - "Mr woiß hald nia. Am beschda wär's, wenn se glei au no da Nodar ond zwoi Zeuga komma ließad." - "Da Nodar? Isch's denn wirglich scho so weid?" - "Ja, von mir aus könnad se au no da Pfarrer komma lassa, i will doch nedd dr oinzig Simbl sei, den wo sie heid Nachd oneedig aus am Schlof grissa hännd!"

    

Verbrecher

Ein alter Schwaben liegt im Sterben und sagt zu seiner Frau: "Schick mr bidde dr Pfarrer ond dr Schuldes!" - Als die Dorfoberen das Zimmer betreten meint der Sterbende: "Dr'Schuldes bidde rechds nahogga ond dr Pfarrer bidde links nahogga." - Nach einer halben Stunde fragt der Bürgermeister: "Warum soll oinr rechds nahogga ond oinr links nahogga?" - "Weil I schderba will wia dr Christus, onser Heiland." - "Was moinsch Du midd schderba wia dr Heiland?" - "Zwischa zwoi Verbrechr.. " röchelt der Schwabe und stirbt.


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