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Gedichte in Schwäbisch neu interpretiert

Hochdeutsches Kulturgut kann nur selten direkt in echtes Schwäbisch übertragen werden. Schwäbisch hat einen ganz eigenen Rhythmus, einen eigenen Satzbau und viele eigene Worte. Ich habe hier mal versucht, den Spagat zwischen hochdeutschem Sinn und schwäbischem Dialekt zu wagen. Urteilen Sie selbst, Anregungen sind jederzeit willkommen!
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Der Taucher - Uff Schwäbisch

Friedrich Schiller
🌐 WIKIPEDIA


"Wer traut sich, Herra oddr Gnabb,
En’s donkle Höllaloch do onda?
An goldna Homba schmeiss’e nab,
Scho isch’ en dr Gischd vrschwonda.
Wer mir dean ko widdr zoiga,
Der darf en behalda, sei sei oiga."

Dr König sagts, ond schmeißt von oba,
An derra Schdell isch’s richdig steil,
Dean Becher nei ens wilde Toba,
En des obachne Meeres-Kheil.
"I frag nomol, wer hodd dia Oir,
Ond schbrendt do na, als wär’s vom Zwoir?"

Dia edle Leit haldad ihr Labb,
Glotzad bloß schdomm en d’wilde See,
Ond winkad innerlich scho ab,
Brobiera will des koinr meh.
Dr König isch net arg erbaut:
"Ja isch neamrds do, der sich des traut?"

Doch älls bleibt schdill, bloß nix gsagd,
Do tritt an Bua raus, knitz ond keck,
Koin Schiss, koi Zaga, oifach gwagd,
Schmeißt Gürtl, Hos ond Mandl weg.
Ond s’ganze Volk vrwundert schaut
Uff dean Kerle, der sich do traut.

schwäbisch-schwatza.de

"Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,
Zu tauchen in diesen Schlund?
Einen goldnen Becher werf ich hinab,
Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund.
Wer mir den Becher kann wieder zeigen,
Er mag ihn behalten, er ist sein eigen."

Der König spricht es, und wirft von der Höh
Der Klippe, die schroff und steil
Hinaushängt in die unendliche See,
Den Becher in der Charybde Geheul.
"Wer ist der Beherzte, ich frage wieder,
Zu tauchen in diese Tiefe nieder?"

Und die Ritter, die Knappen um ihn her,
Vernehmens und schweigen still,
Sehen hinab in das wilde Meer,
Und keiner den Becher gewinnen will.
Und der König zum dritten Mal wieder fraget:
"Ist keiner, der sich hinunterwaget?"

Doch alles noch stumm bleibt wie zuvor,
Und ein Edelknecht, sanft und keck,
Tritt aus der Knappen zagendem Chor,
Und den Gürtel wirft er, den Mantel weg,
Und alle die Männer umher und Frauen
Auf den herrlichen Jüngling verwundert schauen.

Friedrich Schiller


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