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12:30 - Halber Ois Wörterbuch Schwäbisch-Test Sprüche Schimpfomat Witze Eigenarten
Mitmacher gesucht! Derzeit führt Dr. Bettina Spreng von der University of Saskatchewan (Kanada) eine Studie zum Oberschwäbischen Dialekt durch, mit einem Online-Fragebogen und Audios zum anhören und einordnen. Wenn Sie aus dem Oberschwäbischen stammen, Interesse am Dialekt und 20-30 Minuten Zeit haben, dann machen Sie bitte mit, klicken Sie dazu hier!

Gedichte in Schwäbisch neu interpretiert

Hochdeutsches Kulturgut kann nur selten direkt in echtes Schwäbisch übertragen werden. Schwäbisch hat einen ganz eigenen Rhythmus, einen eigenen Satzbau und viele eigene Worte. Ich habe hier mal versucht, den Spagat zwischen hochdeutschem Sinn und schwäbischem Dialekt zu wagen. Urteilen Sie selbst, Anregungen sind jederzeit willkommen!
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Der reichste Fürst - Uff Schwäbisch

Justinus Kerner
🌐 WIKIPEDIA


Bsoffa ond mit großer Gosch
übr Ländr, Macht ond Zahl,
Hoggad do a Haufa Fürschda
Z’Worms em kaiserlicha Saal.

"Handfeschd!", brülld dr Sachsa-Seggl,
"Isch mei Land ond richdig reich!
Silber hodd’s en älle Berg,
So was fendesch nemme gleich!"

"A echt gmäds Wiesle isch mei Land,"
Schwadronierd dr Fürschd vom Rhei,
"Woiza gibds uff viele Felder,
An jedam Ranga beschda Wei!"

"Dia Schdädte groß, dia Klöschtr fedd,"
gibd Bayerns Ludwig a,
"Mir senn hald mir, ond Godd erhalds,
an ons kommd koinr na!"

Do macht sich onsr Eberhard,
uff oimal richdig groß:
"Em Ländle hodds bloß kloine Schdädt,
koim fälld was en da Schoß."

Doch meine Leit, ob groß, ob gloi,
ko i blindlengs vertraua,
Ond mi an jedan Platz nohocka,
Ohne dass se me verhaua!"

Jetz wird’s still, ond älle glotzad,
abbr dann wirds richtig laut:
"Liebr Graf, du bisch dr Reichschde!
Weil dei Land dir echd vrtraut!"

Peter-Michael Mangold

Preisend mit viel schönen Reden
Ihrer Länder Wert und Zahl,
Saßen viele deutsche Fürsten
Einst zu Worms im Kaisersaal.

"Herrlich", sprach der Fürst von Sachsen,
"Ist mein Land und seine Macht;
Silber hegen seine Berge
Wohl in manchem tiefen Schacht."

"Seht mein Land in üpp’ger Fülle,"
Sprach der Kurfürst von dem Rhein,
"Goldne Saaten in den Tälern,
Auf den Bergen edlen Wein!"

"Große Städte, reiche Klöster",
Ludwig, Herr zu Bayern, sprach,
"Schaffen, daß mein Land den euren
wohl nicht steht an Schätzen nach."

Eberhard, der mit dem Barte,
Württembergs geliebter Herr,
Sprach: "Mein Land hat kleine Städte,
Trägt nicht Berge silberschwer;

Doch ein Kleinod hält’s verborgen:
Daß in Wäldern, noch so groß,
Ich mein Haupt kann kühnlich legen
Jedem Untertan in Schoß."

Und es rief der Herr von Sachsen,
Der von Bayern, der vom Rhein:
"Graf im Bart! Ihr seid der Reichste!
Euer Land trägt Edelstein!"

Justinus Kerner


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