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Gedichte in Schwäbisch neu interpretiert

Hochdeutsches Kulturgut kann nur selten direkt in echtes Schwäbisch übertragen werden. Schwäbisch hat einen ganz eigenen Rhythmus, einen eigenen Satzbau und viele eigene Worte. Ich habe hier mal versucht, den Spagat zwischen hochdeutschem Sinn und schwäbischem Dialekt zu wagen. Urteilen Sie selbst, Anregungen sind jederzeit willkommen!
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Die Loreley - Uff Schwäbisch

Heinrich Heine
🌐 WIKIPEDIA


Was soll des bloß bedeida,
Dass i so draurich ben;
A Gschichd aus alde Zeida
Gohd mir ned aus am Senn.

Dia Luft isch frisch ond s’nachded
Do donda fließt dr Rhei‘;
Abbr wemmr guad druff achded,
siehd mr no Sonnaschei.

Dia schenschde Jungfr hoggd
Do doba, s’isch währle wohr;
Ihr goldas Gschmeide loggd,
Sia schdrähld ihr goldigs Hoor.

Ihr Kämmle isch ganz goldich,
Sie singd au no drbei;
Des isch a donndraladdich
ond siadich Melodei.

Den Schiffr en seim Schiffle
Duads en dr Seele weh;
Er glotzt net uff dia Riffle,
Er glotzt bloß en die Höh‘.

I glaub, die Woga brengad
Am End dem Mo da Dod.
Des duad mit ihram Senga
Dia Lore ohne Nod.

Peter-Michael Mangold

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Mährchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar;
Ihr gold’nes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr gold’nes Haar.

Sie kämmt es mit gold’nem Kamme,
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh’.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley gethan.

Heinrich Heine


© 2026 schwaebisch-schwaetza.de | Peter-Michael Mangold

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