Midd dera kennd mr Wänd naischmeißa ond dia däd no froga, wos bogglad.

Wie erkennt man eigentlich echtes Schwäbisch?


Egal, ob Sie das Schwäbische für den Dialekt eines etwas beschränkten Volksstammes im deutschen Südwesten halten oder für die Sprache der wichtigsten Investoren unser Zeit, es lohnt sich, diese Mundart näher unter die Lupe zu nehmen!


Ich habe im folgenden die schwäbischen Besonderheiten an Worten und Grammatik aufgelistet, ganz sicher nicht vollständig, aber ich hoffe, wenigstens in einer populärwissenschaftlichen (also verständlichen) Form.


Als ich vor Jahren auf Geschäftsreise in einem norddeutschen Hotel wohnte, war das Zimmer leider empfindlich kalt und ich rief an der Rezeption an und fragte, ".. ob ich noch einen Debbich bekommen könne?"

Betretenes Schweigen am anderen Ende der Leitung, dann "Ich glaube, ich komme besser bei Ihnen vorbei und schaue, was Sie möchten." - Gleich drauf klopfte es an der Türe und eine misstrauische Wirtin beäugte den Teppichboden und überlegte ganz offensichtlich, was ich damit angestellt hätte.

Dabei ist für einen Schwaben ein Teppich ("an Debbich") halt die Bezeichnung für eine Decke, also ein wärmendes Stück Tuch.

An Debbich legt man z.B. auch bei einem Picknick auf die Erde, also "auf da Boda" - und "a Degge" gibt es schwäbisch nur in Form der Zimmerdecke, die früher übrigens auch noch "Blaffo" (von Plafond) hieß.

Zu diesem Thema bekam ich von Dagmar Heckel eine weitere Geschichte:

"Unsere Tochter war damals so ca. 12 Jahre alt. Sie war auf einem Geburtstag bei einer Schulkameradin eingeladen. Da diese am anderen Ende von Stuttgart wohnte, sollten die Geburtstagsgäste dort übernachten. Zum Gepäck gehörte unter anderem ein 'Debbich' damit sie sich nachts zudecken konnte.

Es gab abends Pizza zum Essen. Als es ans schlafen gehen ging, rutschte man eng zusammen, so lagen dann halt 2 Mädchen im Bett. Der Bettnachbarin unserer Tochter bekam aber die Pizza wohl nicht und sie fing nachts an zu spucken.

Unsere Tochter erzählte, als sie am nächsten Morgen heimkam, dass das Mädchen den ganzen 'Teppich' vollgespuckt hätte (nicht Debbich - sie betonte das 'T') und es eklig war und ans schlafen nicht mehr zu denken war.

Ich bedauerte noch die arme Frau, die ja das ganze Übel aufputzen musste. Unsere Tochter sagte gar nichts dazu, guckte mich aber komisch an. Sie ging gleich danach ins Bett. Ich räumte ihr Gepäck weg, darunter auch den schön zusammengelegten 'Debbich' wieder zurück aufs Sofa.

Als es Abend wurde und die Fernsehzeit anfing, legte sich mein Mann genüsslich auf die Couch, machte es sich bequem und nahm sich den besagten 'Debbich' zum Zudecken!

Ein Schrei: 'Äääääääääääääähhhhhhhhhhhh - hodd do jemand khoddzd'

Da wurde mit das Ganze klar und ich bog mich vor Lachen und konnte nicht mehr aufhören. Meinem Mann war es nicht nach Lachen zumute!!!"

Bei einer Veranstaltung erfuhr ich einer weitere passende Geschichte:

Schwaben logieren mit ihren Kindern bei Freunden in Norddeutschland - damit die Eltern auch mal einen Tag in Ruhe etwas für sich unternehmen können, sind die Freunde gerne bereit auf die Kinder aufzupassen, für alle Fälle wurden noch die Handynummern ausgetauscht.

Schon nach kurzer Zeit kam der Notruf: "Du, Dein Kind möchte etwas machen, aber wir verstehen nicht genau was! Es will zum Spielplatz oder in eine Turnhalle oder so etwas ..." - "Ja, was sagt denn mein Kind?"  -"Es will eine Rolle machen." - Lautes Gelächter!
Denn "a Rolle macha" sagen kleine Schwabenkinder - wenn sie mal Pipi müssen ...

Zum einstimmen noch ein paar schwäbische Zeilen:





I hann amol oin kennd khedd,
der hodd oine kennd.
Dui hodd a Kend khedd,
des hodd se abbr nedd vo sällam khedd.
Der hodd nemmlich nemme kennd khedd,
se hodd abbr no an andara kennd khedd.
Der hodd no kennd khedd.
Ond wenn se den nedd khennd hedd,
no hedd se koi Kend khedd.

Übersetzung:
Ich kannte einmal einen,
der kannte eine.
Die hatte ein Kind,
das hatte sie aber nicht von jenem.
Der konnte nämlich nicht mehr.
Sie kannte aber noch einen Anderen,
der konnte noch!
Und wenn Sie den nicht gekannt hätte,
dann hätte Sie auch kein Kind bekommen.


Wie der unbedarfte Nichtschwabe erkennt, hat das Schwäbische so seine Tücken. Ungewohnte Nasallaute, falsche Betonungen, merkwürdige Verwendung von Konsonanten, Verkürzungen, unverständliche Worte.


Aber keine Sorge, im Folgenden möchte ich einige Regeln aufzeigen und Ihnen einen kleinen Leitfaden des schwäbischen Dialekts an die Hand geben.


Aber woran erkennt nun man eigentlich echtes Schwäbisch?


Sie alle kennen das Lied von der schwäbischen Eisenbahn, mit der Zeile: 
Auf de schwäbische Eisebahna wollt amol a Bäuerle fahra
.


Das ist nicht Schwäbisch !


Es gibt keinen Imperfekt hierzulande, richtig wäre nämlich:
Auf de schwäbische Eisebahna hodd amol a Bäuerle fahra wella.


Und weil es gar so falsch war, gleich ein zweites, wohlbekanntes Beispiel deutschen Liedgutes:


Muss i denn zum Städtele hinaus.


Auch das ist nicht Schwäbisch !


Denn erstens sagt der Schwabe muass und zweitens ist das Städtele ein Städtle, ond sonschd nex !

Wir erkennen, wo Schwäbisch draufsteht, muss nicht Schwäbisch drin sein. Schwäbisch entsteht auch nicht, indem man einfach an jedes hochdeutsche Wort ein -le anhängt.

Und wir erkennen auch, Schwäbisch scheint eine eigene Sprache zu sein !


Wenn Sie auf der Strasse jemanden sagen hören, dr Lährer gehd, dann ist er mit großer Wahrscheinlichkeit evangelisch, sagt er stattdessen dr Lehrer gähd, dann ist er ziemlich sicher katholisch.

Sagt er dr Vaddr oder Seele dann ist er katholisch, sagt er 'dr Vaadr' oder Sähle ist er wohl evangelisch.


Wir erkennen, Schwäbisch scheint gar kein einheitlicher Dialekt und sogar konfessionsabhängig zu sein !


Schwäbisch-Experten können die Herkunft einer Person von der schwäbischen Alb dank ihres Dialekts überraschend zuverlässig genau einem Ort (schwäbisch Flegga) zuordnen.

Dabei spielt u.a. die Aussprache von "nicht" als "nedd", "nedda", "edd", "edda", "nitt", "idd", "idda", "itt" oder "itta" eine Rolle.

Leider verschwinden diese Feinheiten der Sprachkultur in den jüngeren Generationen immer mehr, das gilt auch für meine Familie.


Wir erkennen, Schwäbisch scheint sogar von einer regionalen Zugehörigkeit abhängig zu sein !


Also müssen wir wohl tiefer in die schwäbische Sprache einsteigen:


Ein schwäbischer Geschäftsmann, der in einer norddeutschen Großstadt zu tun hatte, wurde darauf angesprochen, ob er ein Schwabe sei. Nicht wenig überrascht, entgegnet er: 'Ha freile, do hend Se’s guad troffa! Aber sagat Se bloß, an was hend Se dees jeddz gmergd?'

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