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Schwäbische Gedichte von Maria Eisenhut - Seite 1


Vita Maria Eisenhut   Gedichte I Gedichte II Liedtexte


In Oberschwaben geboren und heute in Stuttgart lebend, hat Maria Eisenhut viele kleine und große Geschichten in schwäbischer Mundart  als Gedichte oder Liedtexte zu Papier gebracht. Gerne war ich bereit, eine Auswahl auf meinen Seiten zu veröffentlichen und so einer größeren Leserschaft näher zu bringen.
(Peter-Michael Mangold)






„Frühlingsgefühle“ einer alten Zeitungsfrau

Da ganza Winter schtolp'rasch Du
voll-packt im Dunkla rum,
fall'sch d'Treppa 'nauf, fliag'sch s'Trottwar na',
s'Kreuz isch vom G'wicht scho' krumm.
Und rapp'lasch de dann müahsam hoch...
dô könnt'scht doch wirklich fluacha...
nô' muasch, anschtatt daß s'weitergôht,
im Schnee z'erscht d'Brilla suacha.
Doch wenn de nôch uf's Frühjòhr fraischt,
v'rgôht da Rescht Humor.
Wenn d' endlich ebbas seaha dät'sch,...
nôch schtellt ma d'Uhra vor !!





Trauriges Ende einer Freundschaft

I' bin in Schtuagat Zeitungsfrau,
sott nix als meiner Pflicht nôchgau!
I' muaß so zwischa Nacht und Morga
dia Leut mit Zeitunga versorga,
daß se, vor se in d'Arbat gand,
was Neu's passiert, scho' glesa hand.
So lauf'e halt durch mai' Revier
wia jeda Tag, von Tür zu Tür,
schteck jedem brav sai'Zeitung nai',
om dui Zeit bin'e fascht alloi.

Doch zmôl lauft dicht vor main'r Nas
irgend a'Viech durch's dürre Gras.
Am nächschta Tag war s'Gleiche wieder.
I' buck me zua dem Viechle nieder,
han's no'it reacht g'se(h)a, isch's scho verschwunda
und han's im Gras au' nemme g'funda.
Doch deam Geräusch nôch war mir klar,
daß des doch wohl an I'gl war.
Fascht jeda Tag he'mir uns troffa,
sind immer s'gleiche Weagle g'loffa,

I' han me' riesig drüber g'frait,
han zua'nam „Guta Morga“ g'sait.
Ond eigentlich, für des Vergnüaga
sott der doch au' an Nama kriaga.
I' überleg' mr rom und nom
wia i' jetzt zua'ma Nama komm.
Dann hab' ich den Entschluß gefaßt!
… I' glaub', der Nama „Hubert“ passt.

So gôht des guat a' ganze Zeit,
han me direkt uf d'Arbat g'frait.
Doch zmôl isch alles anderscht g'wäa,
i' han main Hubert nemme g'se(h)a.
Dô schtandat mittla uf am Weg
a' ganza Rôiha gelbe Säck.

Uf oimôl hör' i' in deam Haufa
a' lautes Kratza und a' Schnaufa...
Doch wia'n i' auf dean Sack zua lauf
hört blitzartig des Kratza auf...
Dô fällt mir's siadighôiß zmôl ai',
des wird doch it mai'n Hubert sai' ?!

Des Viechle isch mucksmäusle schtill
weil's jô it gseha wer'ra will.
Dr'bei han i' deam kloina G'sella
nix and'rs als bloß helfa wella.

...Von Weitem hör' i' scho' was bromma...
S'wird doch it scho' der Laschter komma
der wo dia gelbe Müllsäck' schnappt
und in der Presse zamma klappt...?!

Dia werrad it begaischtrat sai,
i' reiß schnell a' paar Löcher nai',
daß s'Hubertle vielleicht no' g'schwind
a' so a' Loch als Ausgang find't. …

Doch irgendwann muaß i' halt leider
mit mainer Zeitung wieder weiter,
weil d'Leut, wenn se scho' d'Zeitung b'schtellad,
dia dann au pünktlich kriaga wellad.

...Inzwischa isch' main Fraind v'rschwonda...
er hôt schaint's doch koin Ausgang g'fonda.
Es raschlat nix meh' in d'r Wies'...
und laider wôiß i's beinôh' g'wiß
was mi' scho' ganz gewaltig schlaucht...
...Hat wohl sein Seelchen ausgehaucht.
Mit Plaschtikbecher, Tetrapack
hend' sen zerquetscht im Gelba Sack...

Warum han i' dean Sack it päckt
und oifach irgendwo verschteckt ??
Am nägschta Tag, des isch doch klar,
hätt'n dô na'gschtellt, wo'nr war.

Hätt' i' dean Ai'fall früher g'het,
hätt des mai'm Hubert s'Läaba g'ret't

Des isch wohl it d'r Oinz'ge gwäa,
han manchen Sack scho' wackla g'sä(h)a.
Warum hôt Koiner dia Idee:
Ma' hängt dia Säck a'weng' in d'Höh?
Des dät doch au' zum Tierschutz g'höra
und könnt per „Pflicht“ verordnat wä'ra!!

Nô dät sein ausgehauchtes Leaba
manch andrem no' a' Chäncle gäaba.





Eine kleine Dankrede anläßlich der Jungfernfahrt meiner vierten Zähne

Wia'n i' ins Krankahaus bin komma,
hend's m'r beim Putza d'Zäh(n) mitg'nomma.
Dô wird mir klar – voll Angscht im Bauch -
daß i' jetzt neue Beißer brauch'.
Mai' Zah(n)werk ischt scho' oberfaul,
… neun Schtumpa sottat aus mei'm Maul...!!

Dô überleg' i' hin und her
was jetzt für mi' wohl s'Beschte wär...
i' blättra d'Werbung vor und z'rück...
Dô macht's bei mir uf oi'môl „Klick“.
Noch langem Suacha find i' doch
à' Praxis hier in Degerloch!
„Hypnose“ hand dia ganz groß g'schrieba!
An deam Wort bin'e hanga 'blieba.

Hypnose hôt mi' int'ressiert,
weil ma' dô d'Angscht vielleicht verliert.
… Dô faß' i' mutig an Entschluß!
S'Verdränga' hilft jô nix, i' muß!

… Komm i'dann in der Praxis a'
begrüßt mi' dô a' fescher Ma'.
Doch von Hypnose keine Spur...
dieser Herr Doktor sagt mir nur,
daß er des gar'it selber macht,
d'Frau Doktor Klein käm' in Betracht.

War mein Entschluß denn wirklich klug?!
Dui Werbung war für mi' Betrug!!
Han i'dann dia Frau Doktor g'sä(h)a
isch' d'Angscht scho' fascht verfloga g'wäa.

Dann laß' me' auf der Liege nieder,
platzier' kommod dia morschen Glieder,
nô kriag i' a' Extra nô spendiert...
ganz koschtalos wer' i' rasiert.
… Dann gôht se los, dui Heblarei...
und a' Schtund schpäter – schtumpafrei -
merk' i' erleichtert dann am End,
daß S'm'r da Kopf no' g'lassa hend.

… Ha, de'sch für mi' jô völlig neu,
daß i' mi' uf da' Zahnarzt freu!
Des hôt's jô in mai'm ganza Leaba
seit main'r Kinderzeit nia geaba.
Hôt dô bloß oiner „Zahnarzt“ g'sagt,
hôt mi' scho schier s'Entsetza packt...

Und jetzt...? Duat mir's ganz ehrlich leid,
daß es jô koin Termin meh' geit.
Sia sind jô so a' liaber Schpatz,
dô hôt a' Angscht doch gar koin Platz.

… Reschpekt hend'S' m'r scho' au verschafft,
em Pieksa – sind Sia sagenhaft!
...Der langen Rede kurzer Sinn
isch der, daß i' echt glücklich bin.
Jetzt muand Se halt mai' G'schwätz vertraga!
I' wollt' bloß herzlich „Danke“ saga!





Die „heutige Jugend von 1930“

Vor unser'm Block dô isch' a' Wies',
so wia'ses üb'rall geit.
Weil's dô en haufa Kinder gibt
isch se als Tummelplatz beliebt
bei deana junge Leut!

Des kloine Volk isch bunt gemischt,
fascht alle sind aus d'r Türkei,
au' Jugo's und an Pola-Bua
ond Schwôba send d'rbei...

Wia i' so über's Wiesle lauf,
… i' glaub dô han'e richtig g'sä(h)a,
a' bißl unter'm Gras verschteckt,
dô sind Margretla-Schtöckla g'wäa.

I' han se zua dem Plätzle g'führt
und han deane erklärt,
daß des ganz schöne Bleamla gibt,
wem'a it drüber fährt.
Und ringsrum mit am Rasamäh'r
han'e a' Krôisle zoga...!

...und was'e etzt v'rzehla will,
isch wirklich it v'rloga.

Und dann war'e doch wirklich platt...
han heimlich durch da Vorhang 'guckt:
Dô schtôht a' ganze Kinderschar
andächtig um des Plätzle rum
und nix v'rtramplat – nix v'rdruckt,
s'war älls no' so, wia's vorher war.

Über a' Woch' lang gôht des so,
des Nescht wird täglich inspiziert,
und jedas isch neugierig druf,
was wohl aus deane Pflänzla wird.

Doch dann kommt halt der Schicksalstag...
d'r Rasamäher knattert...
Was wohl aus deane Bleamla wird?
Ob'r wohl drüber rattert...?

Und überglücklich schtell'e fescht -
er hôt se schtanda lasse!
S'gibt au no' Hausmôischter mit Herz...!
I' han's kaum könna fassa.
A' hôißas Dankeschö' für dean Ma',
des werd' am nia v'rgessa!!

Doch au' mai' Nôch'bre über mir
isch' scheinbar Zeuge g'wesa.
Sui reißt da Fenschterflüg'l auf
und bäfft von oba runter,
… Sonsch isch'se emmer schterbenskrank,
dô isch'se z'môl putzmunter.

„Ha, so an Mischt! Was soll denn des!
Des Zuig kan'i it braucha!
Der Lumpakruscht, der muaß aweg“!
Hört ma se runterfaucha.
„I' will a' sauber g'mähte Wies,
wia's äll dia Jôhrlang g'wäsa isch“!

Dô kommt um's Eck ihr Ma' d'rher
bewaffnat mit d'r Gartascher'.
Zwar widerwillig, ab'r schtill
macht'r brav des, was d'Gattin will,
und haut von deam beschützta Fleck
dia ganze schöne Bleamla weg.

So um'a zwölfe, halba oi's
gehn'd Kender hoim zum Essa.
Se kichrad, schnattrad, buab'lad rom
und d'Schual isch schnell v'rgessa.

Se schteurad auf des Plätzle zua...
nô se(h)at se dean Salat...
Erscht schweigende Betroffenheit -
dann ein enttäuschtes – SCHAD -

Wia bringsch dô no de Kinder bei
daß d'r Naturschutz wichtig sei?!
Und trotzdem, tröschtlich isch des scho'
daß's it de „heut'ge Jugend“ war.
Es isch jô wirklich a' Blamasch...!
S'war d'Jugend aus de dreiß'ger Jôhr.



(c) Maria Eisenhut, Stuttgart


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